Erckmann & Chatrian – die Autoren der »Romans Nationaux«

im Portrait von Dr. Egon Krannich

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Emile Erckmann: geboren 1822 in Phalsbourg (Pfalzburg), gestorben 1899 in Lunéville. Er verlor, ähnlich wie der Held mehrerer seiner Romane schon sehr früh die Mutter und wuchs bei seinem Vater, einem Jakobiner und glühenden Anhänger der Französischen Revolution, auf. Der Vater, dem er später in der Person des Uhrmachers Melchior Gulden ein literarische Denkmal setzte, betrieb in der französischen Garnisonsstadt Phalsbourg einen Kramladen und eine Buchbinderei.

Dieses Phalsbourg war zur Zeit der Kindheit von Emile Erckmann noch so, wie er es später in seinen Büchern beschrieb. Es war noch »erlebte Geschichte, es war noch Festung, noch rollte die Postkutsche täglich mehrmals aus Richtung Zabern (Saverne) oder Paris durch die Stadt und über das holprige Pflaster«, wie es in einem literaturwissenschaftlichen Beitrag aus dem Jahre 1922 heißt. Man kann sich gut vorstellen, daß man sich dort über die Kriege der französischen Republik und des Kaiserreiches austauschte.

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Der Vater, ein Freiwilliger des Revolutionsheeres der Jahre 1792/93, und viele seiner Freunde waren selbst in die Kriege gezogen und hatten an den Orten gekämpft, die später in den Büchern so genau beschrieben wurden. Diese Erzählungen der alten Republikaner und Soldaten wurden von Emile Erckmann, der als ein zurückhaltender, nachdenklicher und kluger Junge beschrieben wurde, begierig aufgenommen und nicht vergessen. Wir können davon ausgehen, daß alle Ereignisse, die er später gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Alexandre Chatrian in zahllosen Nächten diskutierte und zu Papier brachte, genau so oder ähnlich geschehen sind.

Es folgten Jahre des Jurastudiums in Paris. Dann wieder Pfalzburg, wo er um das Jahr 1848 die Bekanntschaft mit Alexandre Chatrian machte und ein gemeinsames literarisches Schaffen begann, das fast vier Jahrzehnte dauerte.

Emile Erckmann verkörpert das Leben vieler Menschen im Grenzland Elsaß/Lothringen, das im Verlauf nur weniger Jahrzehnte den Besitzer wechselt. Die Vorfahren Erckmanns stammen aus der Pfalz und er selbst war nicht nur zweier Sprachen mächtig, sondern auch in zwei Kulturen daheim. Seine Bücher hat er jedoch stets in Französisch geschrieben und war auch, bedingt durch seine Erziehung und eigene Erlebnisse, ein glühender französischer Patriot. Seine Nationalen Romane lassen daran keinen Zweifel – trotz aller Kritik an Napoleon, dessen Verrat an der Revolution und dessen blutigen Kriegen.

Nach der deutschen Besetzung Elsaß/ Lothringens infolge des Krieges von 1870/71 verließ er seine Heimat oder wurde verbannt. Erst 1881 durfte er mit Genehmigung der deutschen Regierung wieder zurückkehren. Diese Rückkehr in »Feindesland« stieß bei vielen seiner Freunde auf Unverständnis, und daran zerbrach vermutlich auch die jahrzehnte lange Freundschaft mit Chatrian.

Alexandre Chatrian: geboren 1826 in Soldatenthal, gestorben 1890 in Villemonble. Er stammte wie Erckmann aus einfachen Verhältnissen. Nach dem Schulbesuch erlernte er den Beruf eines Glasmachers, bildete sich stets weiter und brachte es so bis zum Lehrer. Obwohl es in der Literaturforschung Hinweise dafür gibt, daß er der eigentliche Initiator des gemeinschaftlichen schriftstellerischen Schaffens ist, indem er auf das Werk des Dichters E.T.A. Hoffmann aufmerksam machte und besonders die ersten gemeinsamen Bücher vom Hang zur Mystik dieses Vertreters der deutschen Romantik geprägt sind, gibt es in den zugänglichen Quellen nur spärliche Angaben zu seiner persönlichen und beruflichen Entwicklung.

Den Höhepunkt dieser ersten Schaffensperiode stellt der 1863 erschienene Roman »Freund Fritz« ( L' ami Fritz ) dar. Er war, wie es in einem literarischen Beitrag heißt, »wie ein letztes Atemholen vor der entschwindenden Jugend«, und war gleichzeitig Übergang zu einem neuen literarischen Genre, den »Romans Nationaux«. Diese sehr patriotischen Werke, sicherlich geprägt durch das Kaiserreich unter Napoleon III., beschäftigen sich vor allem mit der stürmischen Epoche zwischen der Revolution und der letzten endgültigen Niederlage Napoleon Bonapartes bei Waterloo. Sie machten Erckmann/Chatrian in Frankreich und darüber hinaus so berühmt und populär wie kaum andere Schriftsteller Zeit. Kaum in Frankreich erschienen, wurden sie sofort, so auch ins Deutsche, übersetzt und verbreitet. Man kann ihr Werk zu Recht als ein, wenn auch teilweise vergessenes, Stück Weltliteratur bezeichnen.

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Der berühmteste und verbreitetste Roman dürfte die »Geschichte eines Konskribierten im Jahre 1813« sein, und an diesem Buch wird auch deutlich, warum es heute noch fasziniert und gefällt. Im Mittelpunkt steht kein Adliger wie in den Romanen Stendals oder Tolstois. Mit Josef Bertha, dem Uhrmacherlehrling aus Pfalzburg begegnet uns das Gegenteil dessen, was den Menschen zu allen Zeiten als »Held« serviert worden ist. Er ist der Prototyp eines jungen Menschen, der in einen Krieg hineingezogen wurde, der für den Einzelnen vielleicht noch schrecklicher und direkter war, wie Kriege davor und danach und dem er nicht entrinnen konnte. Wir erleben seine »Illiade der Angst« und spüren dabei von Seite zu Seite, wie er uns immer vertrauter und sympathischer wird. Uns gefällt, daß er am Ende nicht stirbt, vor Großgörschen oder Leipzig von einer Kugel getroffen oder auf dem Rückzug am Wegrand elend am Fieber oder Typhus zugrunde gegangen ist, sondern in Waterloo noch einmal in Erscheinung tritt.

Nicht zuletzt besticht die Genauigkeit der Schilderung historischer Ereignisse. Wir können vermuten, daß sich Erckmann und Chatrian nicht nur auf die Erlebnisberichte der Kriegsveteranen verließ, sondern daß sie die Handlungsorte selbst aufsuchten. Wie hätten sie sonst so akribisch genau das Lazarett im Leipziger Rosenthal, die Gaststuben und vor allem auch die genauen Orte der schrecklichen Schlachten beschreiben können?


Als die bekanntesten der insgesamt 20 Romans Nationaux gelten:

Madame Thérèse (»Madame Therese, eine Freiwillige des Jahres 1792«), 1863
L' Invasion
(»Die Invasion«), 1864
Histoire d'un conscrit de 1813 (»Die Geschichte eines Konskribierten im Jahre 1813«), 1864 (deutsch 1865)
Waterloo, Suite du conscrit de 1813 (»Waterloo, die Fortsetzung eines Konskribierten von 1813«), 1866 (deutsch 1866)
La Guerre (»Der Krieg«), 1866
Le Blocus, épisode de la fin de I'Empire (»Die Blockade, eine Episode vom Ende des I. Kaiserreiches«), 1867

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Inzwischen liegen beide Romane in Hörspielfassungen vor, spannend in Szene gesetzt durch eine faszinierende Erzählweise des Schauspielers Ben Münchow, erschienen im Zeitbrückeverlag. 


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